Jedem das Seine – Besuch in Buchenwald

In einem fachübergreifenden Unterricht der Fächer Religion, Deutsch, Geschichte und Gemeinschaftskunde beschäftigten sich die Schüler der Klassen 2BFM1, 2BFME und 1BFMI der Gewerbeschule Bad Mergentheim mit dem Nationalsozialismus. Im Rahmen dieses Themas besuchten sie die Gedenkstätte Buchenwald.

Der Spruch „Jedem das Seine“ ziert das Eingangstor von Buchenwald. Er ist der griechischen Philosophie entlehnt und spielt auch im römischen Recht eine bedeutsame Rolle. Er hört sich liberal und tolerant an. Die positiven Aspekte dieses Spruches galten aber nur den freien Griechen und später dann den römischen Bürgern. Beide Kulturen aber waren Sklavenkulturen. So reihte sich Nazideutschland mit diesem Spruch ein in die Sklavenkulturen der Griechen und der Römer.

Schüler der Gewerbeschule Bad Mergentheim mit den Lehrkräften Sandra Pauly, Philipp Pütz, Jürgen Tapparelli und Karl Gerlinger

Was dies nun konkret für die Häftlinge in den Konzentrationslagern des 3. Reiches bedeutete, das konnten die Schüler in Buchenwald erfahren. Die allermeisten Häftlinge dort waren ohne Prozess, ohne Gerichtsurteil, allein wegen ihrer politischen Gesinnung, ihrer Glaubensüberzeugung, ihrer Herkunft, ihrer Nationalität, ihrer Abstammung, ihrer sexuellen Orientierung, und aus anderen Gründen inhaftiert worden. Für die SS, die sämtliche Konzentrationslager verwaltete, war dies ein besonderes Geschäftsmodell, sie vermietete die Häftlinge an Firmen der Umgebung. In Buchenwald produzierte sie zudem noch im extra errichteten Gustloff-Werk II Gewehre und Teile für die V2.

Für die Häftlinge selbst war es ein absolut rechtsfreier Raum. Die selbsternannten Herrenmenschen, die Nationalsozialisten, konnten und haben sich auch als solche aufgeführt und gefoltert, gequält und gemordet. Von 1937-1945 haben etwa 56 000 Menschen in Buchenwald ihr Leben verloren.

Für die Schüler ermöglichte der Besuch in der Gedenkstätte Buchenwald durch Orginaldokumente und mittels einer Führung sich dem menschenverachtenden Terror der nationalsozialistischen Ideologie zu stellen. Es ist und es bleibt unbegreiflich, dass Menschen an anderen Menschen so unmenschlich handeln können. Und das auch noch an einem Ort, an dem Johann Wolfgang Goethe 130 Jahre zuvor die Schöpfung Gottes und die Freiheit genossen hat.